Mein Radiomoment – Radio in Reih und Glied

Ich bin eigentlich kein großer Radiohörer mehr. Klar, damals, noch vor Zeiten von Spotify, Deezer und co. und noch bevor ich das nötige Taschengeld hatte um mir selber CDs zu kaufen war Radio voll mein Ding, aber halt auch nur, weil ich sonst kaum Zugang zu Musik hatte. Bis heute hat sich das Ganze aber doch drastisch geändert, eben durch Streaming-Dienste und eine langsam aber sicher wachsende Musiksammlung. Schon lange steht gar kein Radio als solches mehr in meiner Wohnung und wirklich vermisst habe ich das Ding bis Dato nicht.

Neulich erst habe ich aber meinen Führerschein gemacht und habe mich bei meinen ersten Spritztouren in Ermangelung eines AUX- oder USB-Anschlusses in der Familiengurke meiner Eltern auf den ollen Kurzwellenempfänger verlassen müssen. Sechs Sender waren eingespeichert, überwiegend die größten und prominentesten in unserer Region, drei Mal habe ich alle durchgeschalten und auf allen liefen gefühlt dieselben drei Songs. Selbst Radio21, was sich vor Jahren noch als reiner Classic-Rock-Sender von der Menge zumindest etwas abhob, ist inzwischen der Pop-Rock-Gentrifizierung der Radiolandschaft zum Opfer gefallen. Anderswo gibt es mit Sicherheit noch Sender, die sich gegen diesen Trend auflehnen, etwas Mut zur „Hässlichkeit“ zeigen und sich auf bestimmte Genres einschießen und das ist gut so. Aber in meiner Heimatregion befürchte ich mehr und mehr, dass Musikvielfalt im Radio über das Stadium des Todesröchelns hinaus ist und endgültig versagt.

Dabei kann es auch ganz anders gehen, das zeigt sich schon beispielsweise bei England. Allein in den gefühlten 20 BBC-Sendern gibt es schon mehr Vielfalt als in der gesamten deutschen Radiolandschaft. Na gut, BBC ist auch das eine große Medienimperium, das bei den britischen Insulanern nahezu alles im Griff hat, aber das ist gerade gar nicht der Punkt. Wenn man bei Wikipedia die Liste der Deutschen Radiosender durchgeht (Ja, die gibt es wirklich) trifft man am häufigsten auf die Sparten „Pop/Rockwelle“, „Jugendprogramm“ und „Schlager/Oldiewelle“. Und Jugendprogramm und Popwelle lassen sich schon fast synonym verwenden, wir sprechen also von etwa 3,5 verschiedenen vorherrschenden Programmsparten. Wo sind die Indie- oder die Metal-Sender? Was ist mit Techno/EDM? Verdammt, ich hör nicht einmal viel Hip-Hop, aber wo sind die Hip-Hop-Sender? Hat man solche Angst, eine einzelne Zielgruppe vernünftig zu bedienen, dass man stattdessen einfach…. gar keine bedient? Man müsste ja nicht einmal auf Nachrichten oder Morningshows und dergleichen verzichten, Hauptsache ist doch, dass einmal musikalische Lücken gefüllt werden. Vor allem bietet sich doch damit eine Plattform, vorher von einem Genre unbefleckten Hörern die Möglichkeit zu geben, Musik abseits des alltäglichen Easy-Listening-Klumpatsch á la „DAS BESTE AUS 80ERN, 90ERN UND VON HEUTE“ kennen zu lernen. Vielleicht entdeckt man ja sogar ein neues Genre für sich.

Weißt du Radio, ich bin ja nicht einmal sauer auf dich. Ich bin einfach enttäuscht. Und ich weiß, ich bin nur ein dummer, kleiner Student, der noch keine Ahnung von der großen Rundfunk-Maschinerie hat. Und mit Sicherheit gibt es so einige Faktoren, die das Entstehen einer größeren Senderlandschaft verhindern. Aber ich möchte dich ja wohl gerne anhören, liebes Radio, zumindest solange ich keine andere Möglichkeit des Musikkonsums verfügbar habe. So langweilig und einheitlich wie du allerdings momentan bist, bin ich es müßig, ständig durch meine sechs Sender zu schalten.

-Joost

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